Tauchsport - Wracktour 2003

Wie im letzten Jahr hatte der Tauchclub für das Jahr 2003 eine Tour zu verschiedenen Wracks rund um Rügen geplant. Bereits im Februar ging die Anmeldung los und Ende März standen dann die Teilnehmer fest. Insgesamt sollten wir 15 Leute werden, die tauchen gehen wollten. Zentraler Punkt in der Planung war das Wrack der polnischen Fähre "Jan Heweliusz", die am 14. Januar 1993 im schweren Sturm ca. 20 sm nordöstlich der Insel Rügen auf Grund von erheblichen technischen Mängeln gesunken war. Weitere Tauchgänge an anderen Wracks sollten vor Ort spontan festgelegt werden.

Am 07.08.2003 Nachmittags ging für Ramona und mich die Fahrt los. Da es von Dresden bis zum Zeltplatz nach Lohme/Nipmerow doch etwas weiter ist, kamen wir erst am späteren Abend an. Etwas enttäuschend war die Tatsache, dass wir alle etwas auf dem Zeltplatz verstreut waren, was sich aber durch die unterschiedliche Ankunftszeit der Leute und der Auslastung des Zeltplatzes erklären liess. Thomas F. war etwas überrascht, dass wir schon da waren; wir wurden erst am nächsten Tag erwartet...

Nach dem Zeltaufbau fand noch ein kurzes Treffen aller schon anwesenden Teilnehmer und eine Besprechung für den nächsten Tag statt. Es wurde festgelegt, dass wir am folgenden Tag Nachmittags wenigstes zwei Tauchgänge machen wollten.

08.08.2003

Am nächsten Nachmittag begaben wir uns dann zum Saßnitzer Westhafen. Von dort aus sollte es dann mit der "Ulme" entlang der Rügener Küste zum ersten Tauchspot gehen. Wir hatten aber noch etwas Zeit und besichtigen deshalb erst einmal das Museum für Meeresarchäologie, das sich auch am Hafen, im alten Fähranleger, befindet. Danach ging es dann an Bord...



B-17

Der erste Tauchgang sollte zu einem englischen oder amerikanischen (keiner weiss es) B-17-Bomber stattfinden, der nach einem Bombenangriff auf Peenemünde abgeschossen wurde und vor Rügen ins Wasser stürzte. Schon vor Betreten der "Ulme" hatte ich die Kamera ins UW-Gehäuse eingebaut und das ganze Zubehör im Auto gelassen, was sich dann später als böser Fehler herausstellte.

An der Position der B-17 angekommen, ankerten wir und Dirk und Thomas F. gingen ins Wasser, um für uns weniger Erfahrene die Abstiegsleine zu befestigen und von dort eine Leine zu den interessantesten Punkten zu legen. Kurze Zeit später konnten wir folgen. Mein Tauchpartner war Frank, der seine teuere UW-Kamera mitgenommen hatte. Ramona durfte derweil auf dem Schiff aufzeichnen, wer wann ins Wasser gegangen ist und wann wir wieder herauskamen, damit auch niemand vergessen wurde.

Das Wasser war an der Oberfläche angenehm warm und die Sicht war relativ gut. Das mit der Wärme änderte sich in ein paar Metern Tiefe, denn da sank die Temperatur bis auf 6°C ab. Am Meeresgrund angekommen sahen wir sofort einen der Rotoren des Flugzeuges. Man musste genau hinschauen, um den Rotor als solchen zu erkennen, denn er war sehr mit schwarzen Muscheln bewachsen, sehr tief im Sand eingesunken und durch den Aufprall der Maschine total verbogen. Ich wollte das eigentlich fotografieren, aber bei meinem Kameragehäuse war das vordere Glas durch den Temperaturunterschied beschlagen und so keine Aufnahme möglich. :( Naja, Frank konnte ja noch fotografieren.

Von dem Rotor lag das Reel bis zum zweiten Motor des Flugzeuges. Unterwegs fanden wir noch so etwas, wie einen Luftfilter, der noch sehr gut erhalten war. Der Motor samt dazugehörigem Rotor war noch gut zu erkennen, wies aber den typischen Bewuchs auf.

Wir tauchten noch ein wenig herum und fanden verschiedene andere Flugzeugteile, die rund herum verstreut waren, aber da sonst nicht viel Interessantes zu sehen war, beendeten wir den Tauchgang bald. Frank hatte inzwischen auch ein paar Probleme mit dem Blitz seiner Kamera; dort wollten die Batterien nicht mehr.

Im Allgemeinen war der Tauchgang nicht sonderlich spektakulär, aber eine gute Einstimmung auf die folgenden Tage...

SAS-33

Wieder an Bord ging es zum zweiten Haltepunkt für diesen Tag, dem Fischkutter "SAS-33", der vor gut 30 Jahren von dem Fährschiff "Rügen I" in einer nebligen Nacht untergepflügt wurde. Auf dem Weg zum Tauchspot wollte ich eigentlich noch etwas Antibeschlag-Mittel auf die Scheibe vom Kameragehäuse tröpfeln, musste davon aber Abstand nehmen, da ich ja mein Zubehör im Auto gelassen habe und niemand sonst ein entsprechendes Mittel mit hatte. Also beschloss ich, die Kamera beim zweiten Tauchgang gleich an Bord zu lassen.

An der Position des Wracks angekommen wurde wieder wie beim ersten Mal verfahren (Abstiegsleine setzen und Reel auslegen). An der Oberfläche gab es diesmal viele Algen und unsere beiden "Leinensetzer" meinten auch, dass die Sicht unter Wasser nicht so gut sei, und dass es besser wäre, auf die Kamera zu verzichten und lieber Licht mitzunehmen. Nunja, ich wollte die Kamera eh oben lassen. Nur Frank ärgerte sich, als wir unten ankamen, denn die Sicht war eigentlich doch sehr gut. Es war nur etwas dunkel und das Licht tat gute Dienste.

An der Abstiegsposition in 15 m Tiefe war nicht viel zu sehen, also machten wir uns gleich entlang des ausgelegten Reels zum eigentlichen Wrack. Dort fanden wir dann ein zwar komplett bewachsenens, jedoch noch erstaunlich gut erhaltenes Wrack vor. Sehr gut war zu sehen, wo die große Fähr über das kleine Fischerboot gefahren ist. Die kompletten Aufbauten wurden heruntergerissen, waren also praktisch nicht mehr vorhanden. Dafür klaffte eine tiefe Kerbe im Schiffsrumpf. Neben ein paar Netzen, die am Wrack hingen, waren ein paar elektrische Leitungen und Schalter zu sehen. Die Schiffsschraube, die bis vor kurzem noch am Wrack war, hat anschienend jemand gebraucht, denn sie fachmännisch abgetrennt :( Möge sie denjenigen glücklich machen, bei dem sie jetzt an der Wand hängt, jedenfalls ist das Wrack um eine Attraktion ärmer.

Da das Wasser diesmal etwas wärmer war (knapp 10°C) und wir nicht froren, konnten wir das Wrack ausgiebig unter die Lupe nehmen. Plötzlich hörten wir ein entsätzliches Geräusch, das immer lauter wurde und nachdem es eine Lautstärke erreicht hat, die schon in den Ohren weh tat, endlich wieder leiser wurde. Oben wurde uns dann erzählt, dass eine der großen Fähren nur wenige 100m von uns enfernt vorbei gefahren ist.

Nachdem es fast keine Ecke mehr gab, die man nicht gesehen hatte und nachdem in jedes Loch im Schiff geschaut worden war, machten wir uns auf den Rückweg nach oben.


Wieder an Bord ging es zurück in den Hafen und auf den Zeltplatz. Wir wollten an dem Abend einen spontanen Grillabend veranstalten, also machten sich ein paar Leute auf den Weg, Grillgut zu besorgen. Auf dem Zeltplatz stellten wir fest, dass unsere Gruppe Zuwachs erhalten hat und ein paar Nachzügler (Simone, Martina, Ulrike, Jörg, Oli) eingetroffen waren. Ein Grill war auch schon angebrannt, so dass wir unser Grillgut nur noch draufzulegen brauchten.


 

Nicht allzuspät ging es dann ins Zelt, denn am nächsten Tag, zur Ausfahrt zur Jan Heweliusz, ging es früh los und man wollte ja auch ausgeschlafen sein. Ramona, die nicht mitkommen konnte, erklärte sich bereit, auf die Kinder von Birgit und von Ulrike und Jörg aufzupassen. So konnten sie alle wenigstens einen Tag am Strand verbringen.

09.08.2003

Früh um 7.00 Uhr fuhren wir vom Zeltplatz zum Hafen. Da uns bis zu diesem Zeitpunkt noch kein Plan zur Verteilung der Personen auf die zwei Boote (die "Ulme" und die "Argo") bekannt war und die Ulme schon an der bekannten Stelle lag, fingen wir einfach an, unser Zeug dort aufzuladen. Im letzten Moment kam Oli mit einer Liste. Zunächst gab es etwas Murren, weil einige Leute lieber mit der Ulme fahren wollten und nun doch auf die Argo sollten, aber es fügten sich schliesslich alle.

Die "Argo" lag noch an der Mole im Hafen, also luden wir unsere Sachen wieder ins Auto, fuhren dort hin, luden alles wieder aus und auf's Schiff. Dei Fahrer brachten die Autos zurück in den Westhafen und wurden von der "Argo" dort abgeholt. Die "Ulme" war natürlich schon unterwegs...

Jan Heweliusz - 1. Versuch

Die Fahrt zur Jan Heweliusz dauerte etwa 2.5 Stunden. Die See war etwas unruhig, es haben jedoch alle ihr Frühstück, bestehend aus dem Lunchpaket vom Zeltplatz, bei sich behalten ;) Langsam wurd es immer windiger...



An der Jan H. angekommen sahen wir, dass bereits ein anderes Schiff (die "Potsdam") an der Ankerleine festgemacht hatte. Die "Ulme" hing berets an der "Potsdam" und eigentlich wollten wir uns dort noch hinten dran hängen. Aus uns unverständlichen Gründen erlaubte uns das der Kapitän der "Potsdam" jedoch nicht und so versuchte die Mannschaft der "Argo" selbst einen Anker zu setzen, was auch zunächst ganz gut aussah...

Wir begannen uns alle um- und anzuziehen. Die Leute auf der "Ulme" waren schon fertig und begannen ins Wasser zu gehen. Auf unserem Schiff war Birgit zuerst fertig und da sie nicht so lange in der heissen Sonne sitzen wollte, sprang sie ins Wasser. Oli und ich sollten folgen (wir drei bildeten eine Gruppe). Plötzlich bemerkte jemand, das die "Argo" abtrieb. Anscheinend hatte der Anker in dem sandigen Meeresboden keinen richigten Halt gefunden konnte das Schiff, das durch den Wind (inzwischen Stärke 5) immer weiter fortgetrieben wurde, nicht mehr halten. Da von der "Potsdam" gerade wieder Taucher ins Wasser gegangen waren, die noch alle an der Oberfläche rumpaddelten, konnte die "Argo" den Motor nicht anlassen, um der Strömung entgegenzuwirken. Wir mussten uns also treiben lassen. Auf Funkrufe von der "Argo" zur "Potsdam" wurde nicht mehr geantwortet...

Birgit musste wieder einsteigen und da der Wind immer stärker wurde, brachen wir die Ausfahrt ab und machten uns auf den Heimweg. Frau Heese, die Chefin der Argo, machte uns das Angebot, am nächsten Tag, ohne zusätzliche Kosten für uns, noch einmal zur Jan H. zu fahren, was wir natürlich dankend annahmen. Leider mussten Oli und Simone wieder nach Dresden zurück, sie würden also umsonst den weiten Weg gefahren sein. Wenigstens bekamen sie Ihr Geld zurück.

Im Hafen angekommen liessen wir unsere Ausrüstung für den nächsten Tag gleich an Bord und vereinbarten für den nächsten Tag die Abfahrt um 7.00 Uhr vom Westhafen. Jetzt musste ich nur noch Ramona überzeugen, noch einen Tag auf die Kinder aufzupassen und unsere Pläne für den Sonntag fallen zu lassen...

Auf dem Zeltplatz erwartete uns eine freudige Überraschung: Lutz war dort aufgetaucht und wollte uns am nächsten Tag begleiten. Da ich seit meinem OWD-Kurs nicht mehr mit ihm getaucht war, freute ich mich besonders. Irgendwann später tauchten dann auch die Leute von der "Ulme" auf und berichteten von ihrem Tauchgang an der Jan H. Sie hatten wegen des starken Windes und der Wellen auch nur einen Tauchgang gemacht. Der Tag wurde dann mit dem schon vorher geplanten Grillabend abgeschlossen.


 

10.08.2003

Früh um 7.00 Uhr standen wir alle an der Schiffsanlegestelle im Westhafen. Die Argo kam dann auch recht pünktlich an, um uns aufzusammeln. Lutz musste seine Gerätschaften noch an Bord bringen und dann ging es los. Heute war die See zwar immer noch etwas aufgewühlt, aber bis wir an der Jan H. ankommen sollte sie sich beruhigen.

Jan Heweliusz - 2. Versuch

An der Jan H. angekommen sahen wir, dass wir wieder nicht die Ersten dort waren; die "Brigitte" lag schon dort. Die machte uns aber keine Probleme und wir konnten uns hinten dranhängen. Die See hatte sich auch wirklich beruhigt und die Bedingungen waren eigentlich ideal.

Die Gruppen waren wie am Vortag festgelegt, nur dass ich heute mit Brigit und Lutz tauchen sollte. Wir machten uns also alle fertig und los ging's. Lutz hatte schwer zu schleppen; er kam aus dem Urlaub und hatte ein 2x15l-Doppelpack auf dem Rücken. Im Wasser wiegt das zum Glück nichts mehr.

Im Wasser angekommen schwammen wir bis zur Abstiegsleine, die von der "Brigitte" aus in die Tiefe führte. Kurz unter der Oberfläche war die Sicht nicht besonders gut, was sich aber nach ein paar Metern änderte. Am Ende der Abstiegsleine, die in 9 m Tiefe an der Reeling der Jan H. befestigt war, konnte man schon etwas besser sehen. Am Grund, in etwa 23m Tiefe, betrug die Sicht etwa 5 bis 8 m.



An der Reeling angekommen liess ich erst einmal das Wrack auf mich wirken. Das Schiff ist mit einer Schickt Mismuscheln bewachsen, was den Ganzen den Eindruck eines künstlichen Riffs aufzwang. Direkt neben der Abstiegsleine war der Schriftzug "JAN HEWELIUSZ" auf dem Schiffskörper zu sehen, der von Tauchern immer wieder freigelegt wurde. Ich versuchte die ersten Fotos zu schiessen, was sich als nicht sehr einfach herausstellte. Da ich nicht mit dem internen Blitz der Kamera arbeiten wollte, weil im Wasser doch viele Schwebeteilchen waren, musste ich mit Lampe und Kamera gleichzeitig hantieren. Irgendwie klappte es dann aber doch. Glücklicherweise hatte ich aus dem Fehler vom Freuitag gelernt und das Kameragehäuse mit Silica Gel Päckchen vollgepackt, so dass die Objektiv-Scheibe gar keine Chance hatte, anzulaufen ;)



Als auch Birgit und Lutz unten angekommen waren, schwammen wir gegen die Strömung das Deck entlang zum Heck des Schiffes. Dort warfen wir einen Blick in die offene Ladeluke. Da wir nicht hinein schwimmen wollten, ging es am Kiel entlang, weiter zum Bug. Dort wollten wir einen Blick auf die Bugstrahlruder werfen. Irgendwie hatte ich durch die Strömung und die Aufregung, an dem großen Schiff zu tauchen, einen erhöhten Luftverbrauch, denn viel war nicht mehr in meiner Flasche vorhanden.

Wieder an Bord wurde erstmal die Ausrüstung abgelegt und nach dem Umziehen erfolgte bei einer Tasse Tee die Nachbesprechung des Tauchganges. Nach dem Mittagessen (es gab Hühner-Nudel-Suppe) und einer kurzen Ruhepause erfolgte der zweite Tauchgang. Wir wollten zusammen mit der "Brigitte" den Tauchplatz verlassen und mussten uns etwas beeilen.

Auch diesmal war ich der Erste am Fußpunkt der Abstiegsleine. Birgit hatt etwas Schwierigkeiten mit dem Druckausgleich. Ich brauchte aber nicht allzu lange warten und sah bald Lutz' Doppelpack unter mir erscheinen. Die Abstiegsleine war nicht mehr straff gespannt und hing in einem Bogen herunter...

Diesmal wollten wir uns das Oberdeck genauer anschauen. Viel ist davon zwar nicht mehr übrig geblieben, trotzdem waren die LKW's auf dem Oberdeck noch gut zu erkennen.

Irgendwie haben wir bei dieser Aktion Birgit aus den Augen verloren. Also drehen wir um und schwammen zurück. Ich entdeckte sie dann unterhalb von mir bei einer Gruppe anderer Taucher. Auf winken mit der Lampe reagierte sie nicht, aber jemand hatte es doch bemerkt und wiess sie darauf hin.

Da wir nun wieder zu dritt waren, tauchten wir noch einmal zu der Stelle, wo wir vorher waren. Birgit wollte aber nicht folgen; ihre Lampe hatte schlapp gemacht und ohne Licht war ihr das nicht geheuer. Nachdem wir noch einmal ein kurzen Abstecher zum Heck gemacht haben, besuchten wir LKW "Erwin".


 

Da ich auch diesmal wieder viel Luft verbraucht hatte, machten wir uns auf den Rückweg zur Abstiegsleine. Dort angekommen zeigte uns Lutz noch ein paar Garnelen, die an der Leine hingen und absolut nicht weg wollten. Noch ein Foto und wir begannen mit dem Aufstieg. Nachdem alle an Bord waren und auch die "Brigitte" alle Taucher aufgenommen hatte, ging es wieder zurück zum Hafen und von dort auf den Zeltplatz. Den Abend beschlossen wir mit einem Fisch-Essen im "Daheim" in Lohme.

Am nächsten morgen bauten wir dann unswer Zelt ab und nach dem Frühstück ging es dann wieder nach Hause...



Links zum Thema Wracktauchen an der Jan Heweliusz:

  • Tauchsportservice Potsdam (200bar.de)
  • DiveCult
  • Motorschiff Arthur Becker