Griechenland 1997
Im Sommer 1997 sollte ich eigentlich meine Diplomarbeit schreiben. Da ich mir aber dachte, dass immer nur schreiben, recherchieren, programmieren etc.pp. auf die Dauer sehr belastend sein kann, ging ich Anfang des Jahres auf das Angebot einer Bekannten (Janine) ein, mit einer Gruppe von Sozialpädagogik-Studenten aus Dortmund drei Wochen nach Griechenland zu fahren, um dort zusammen mit griechischen Studenten einen Wanderweg entlang des Flussens "Nestos" zu erkunden. Ich war zwar im Frühjahr schon in Australien, aber für Griechenland sollte das Geld noch reichen...
Da die Planung hauptsächlich durch die Studentengruppe in Dortmund übernommen wurde und Janine sich um die Flugtickets kümmerte, blieb mir nicht viel zu tun. Zwischenzeitlich wurde bekannt, dass der Plan mit den griechischen Studenten und dem Nestos nicht durchgeführt werden konnte, wir also nur in den Urlaub fahren würden. Es wurde geplant, die Hälfte der drei Wochen in Komotini zu bleiben und die andere Hälfte auf Samothraki, einer kleinen Insel, zu verbringen.
Irgendwann war es dann so weit. Ich reiste von Dresden über Bochum zum Düsseldorfer Flughafen und flog mit Hapaq-Lloyd von dort aus zusammen mit Janine und Frank (einem weiteren Studenten) nach Thessaloniki. Geplant war, das alle Leute auf eine Faust anreisen und wir uns dann in Komotini (Nordgriechenland) treffen werden. Vom Flughafen Thessaloniki ging es dann mit dem Bus in die Stadt zum Bahnhof, weil wir mit dem Zug weiterfahren wollten. Schon bei der Suche nach dem richtigen Bus zeigte sich, wie freundlich die Griechen sind. Wir hatten ja keinerlei griechische Sprachkenntnisse und als wir mit Englisch und Französisch nicht mehr weiter kamen, da holte der Grieche, den wir angesprochen hatten jemanden, der auch deutsch sprach. Der konnte uns auch sofort in den richigen Bus setzen und uns die Anzahl der Haltestellen bis zum Bahnhof sagen...
Auf dem Bahnhof wurde es etwas komplizierter. Der Schnellzug war anscheinend ausgebucht und es fuhr nur noch ein langsamerer Zug nach Komotini. Den nahmen wir dann aber auch. Die Zeit bis zur Abfahrt überbrückten wir in einem Kafenion bei leichter griechischer Kost. Die Zugfahrt war ganz angenehm, wir drei hatten ein Abteil für uns, konnten uns also schön ausbreiten und sogar etwas schlafen. Nur ein nicht mehr ganz so kleiner Junge (vielleicht 14 Jahre) hatte sich anscheinend in Janine verguckt und ging uns etwas auf die Nerven. Aber auch das war irgendwann vorbei. Am späten Abend kamen wir dann in Komotini an. Dort holte uns Omiros Mavridis vom Bahnhof ab. Omiros ist gebürtiger Grieche und lehrte damals an der Dortmunder Uni. Er hatte die Idee zu dem Projekt gehabt und die Organistion auf griechischer Seite übernommen. Dank ihm konnten wir im Studentenwohnheim der Uni in Komotini schlafen und bekamen sogar Frühstück und Abendessen in der dortigen Mensa. Inzwischen lebt er wieder in Alexandropoli in Griechenland...
Auf der Fahrt zum Wohnheim machten wir erst einmal an einem kleinen Geschäft halt und besorgten uns etwas zum Abendbrot. Im Wohnheim angekommen verteilten wir uns auf unsere Zimmer. Ich sollte mit Norbert ein Zimmer teilen. Den Rest des Abends verbrachten wir auf der Terasse vor dem Klubraum des Wohnheims und machten uns mit den anderen bereits anwesenden Leuten bekannt. Größtenteils waren es zwar alles Studenten der gleichen Seminargruppe, allerdings waren auch, wie ich, ein paar "Aussenseiter" dabei (Birgit und Wolfgang).
Die nächsten Tage verbrachten wir damit, Komotini zu erkunden, eine Wanderung durch die nahen Berge zu unternehmen, den Nestos zu besuchen und etwas an seinem Ufer entlang zu wandern, den Strand von Fanari mit dem Bus aufzusuchen, um ein wenig zu baden, das örtliche Heimat-Museum zu besichtigen und auch dem ansässigen Staatsmuseum einen Besuch abzustatten. Für Abwechslung sorgte auch eine Fahrt mit einem Pickup zu einem alten Bergdorf in der Nähe, mit einer anschliessenden Wanderung und natürlich "Maria Himmelfahrt", ein Feiertag, der bei den Griechen wie ein Volksfest gefeiert wird. Wir verbrachten den Tag im Geburtsort von Omiros und schliefen die Nacht irgendwo auf einem Feld unter freiem Himmel. Schlafsäcke und Isomatten hatten wir ja glücklicherweise alle mit...
Von Komotini ging es dann nach den anderthalb Wochen nach Alexandropoli, um von dort aus mit der Fähre nach Samothraki überzusetzen. Samothraki ist eine kleine, in Deutschland kaum bekannte Insel, die aber auch ihre eigenen Reize hat. Die Fähre legte in Kamariotissa an und von dort aus fuhren wir mit dem Bus bis zum "Freecamping"-Platz. Freecamping heisst nicht, dass dort das Campen kostenlos ist, sondern, dass das der Campingplatz für Leute mit Zelt ist. Der andere Campingplatz war nur für Wohnmobile oder -anhänger.
Da auf Samothraki sehr selten Busse fahren, waren wir die meiste Zeit zu Fuss, oder per Anhalter unterwegs. Meist wurden wir mitgenommen, auch wenn man dabei die abenteuerlichsten Sachen erleben konnte (z.B. die Mitfahrt auf der Ladefläche eines Pickup's).
Samothraki ist zwar nur eine kleine Insel, hat aber trotzdem recht viel zu bieten. So kann man dort sehr schön wandern oder zum Fonias-Wasserfall baden gehen. Auf der Insel gibt es leider meist nur Strände mit Steinen. Nur an einer Seite der Insel gibt es eine kleine Bucht, wo auch Sandstrand ist. Die Bucht ist von felsigen Klippen umgeben und bietet einen malerischen Anblick.
An den Tagen auf der Insel besuchten wir Therma, Kamariotissa, Samothraki (Dorf) und natürlich das "Heiligtum der grossen Götter", das eine recht interessante archäologische Ausgrabungsstätte ist. Dort in der Nähe ist ein Hotel, dessen Besitzer uns alle zu einem gemütlichen Abend einlud. Es gab Ziege, die er extra für uns schlachtete und zubereitete und viel Retsina. Dieser Abend war soetwas wie ein Abschiedsabend für uns, denn schon am nächsten Tag mussten die ersten zurück nach Deutschland. Auch wir brachen unsere Zelte ab...
Als unsere Zeit auf Samothraki vorbei war, fuhren wir nach Alexandropoli und besuchten Omiros. Dort blieben wir aber nur eine Nacht, denn schon am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus weiter nach Kavala.
Kavala ist ein relativ großer Ort, in dem Fischfang wohl der Hauptindustriezweig ist. Wir hatten zwei Abende Zeit. Den ersten Abend besichtigen wir die Burgruine, von der aus man einen wunderbaren Blick auf die Stadt und den Hafen hat. Besonders bemerkenswert ist der Aquädukt, der quer durch die Stadt geht, und einen sehr imposanten Anblick bietet. Auf dem Weg zurück blieben wir in einem kleinen Restaurant hängen. Nach Abendbrot und ein paar Flaschen Wein ging es wieder mit einem Umweg über den Hafen zurück zum Hotel.
Am letzten Tag besichtigten wir die Stadt und ihre Kafenions und kehrten am Abend wieder in eine gute Gastlichkeit ein.
Am nächsten Tag ging es dann von Kavala aus mit dem Bus zurück nach Thessaloniki, wo wir nur kurz verweilten, zum Flughafen fuhren und zurück nach Düsseldorf flogen. Für mich ging es noch am gleichen Abend mit dem Zug weiter nach Dresden.
Bilder zu der Reise gibt es hier: Seite 1, Seite 2, Seite 3, Seite 4, Seite 5
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